12. Juni 2026
Aktuelles

In memoriam: Alice Baar (1952 - 2026)

von Marcus G. Patka
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Mit Alice Baar ist am 1. Juni 2026 eine große Freundin unsers Hauses verstorben. Sie hat seit der Gründung des Museums zahlreiche Eröffnungen besucht und an unseren Aktivitäten regen Anteil genommen: herzlich und temperamentvoll, so war ihr Auftreten. Ihre Kritik hat unser Denken und ihre Schenkungen haben unsere Sammlung zum jüdischen Sportverein „Hakoah“ enorm bereichert. Ihr Großvater war Arthur Baar gewesen, der legendäre Erfolgstrainer der „Hakoah“-Fußballmannschaft, die 1925 die österreichische Meisterschaft gewonnen hatte. Auch gehörte er zu den Veteranen, die nach der Vertreibung aus Wien 1938 den Schwesterverein „Brith Hakoah 1909“ in Ramat Gan gründeten. Arthur Baar hinterließ etliche dicke Fotoalben, die sein Leben vor und nach dem Zweiten Weltkrieg dokumentieren. Diese sensationellen Fotos wurden seither aus unserer Sammlung heraus international in Ausstellungen und Zeitschriften gezeigt. Aktuell ist eine Medaille aus diesem Bestand bei einer Ausstellung über Fußball und Holocaust in Los Angeles im Museum of Tolerance in der Vitrine zu sehen – dies als Begleitveranstaltung zur Fußball-WM.

Alice Baar wurde am 2. September 1952 in Ramat Gan geboren. Sie übersiedelte um 1970 mit ihren Eltern nach Wien. Ihr Vater Heinz Baar war im österreichischen Außenministerium tätig. Da sie mit der diplomatischen Szene vertraut war, gehörte zu ihren wichtigsten beruflichen Tätigkeiten die Leitung der organisatorischen Abteilung im Austria Center Vienna. Aus Liebe zu Israel und der genauen Kenntnis der dortigen kulturellen Szene heraus übersetzte sie immer wieder Bücher aus dem Hebräischen ins Deutsche. Alice Baar war eine politisch couragierte und sozial engagierte Persönlichkeit, sie wird uns auf vielen Ebenen fehlen.

Bild: Alice Baar (stehend) im Gespräch mit Prof. Kurt Schubert im Jüdischen Museum Wien, 2000 (c) Jüdisches Museum Wien